von Wilamowitz

(v. W.-Möllendorff)


Hellbachs Adels-Lexikon

II, 747

Siebmacher’s großes Wappenbuch

III, 1. Abt. Seite 69

Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon

IX, 570

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser

1875-1939

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser

1859-1941

Siebmacher's großes Wappenbuch

VII, 2. Abt. Seite 17

Genealogisches Handbuch des Adels

Bände 6, 16, 35, 79, 123, 137


»Polnisch-litauisches Adelsgeschlecht, das mit dem Calvinisten Andreas Wilamowicz des Wappens Ogończyk (* etwa 1680, + Lubecz b. Nowogródek  April 1735) zuerst erscheint, welcher zu Lubecz am 28. Februar 1718 Christina Galińska des Wappens Rawicz (~ Lubecz 7. Okt. 1688, + …) ehelicht.  Deren Sohn „Christophorus von Wilamowicz“ (~ Lubecz 15. Febr. 1720, + um 1782) übersiedelt nach Westpreußen, wo er auf dem Gut Stangenberg b. Dirschau am 13. Oktober 1761 Dorothea von Wichmann (~ Danzig 13. Mai 1732, + Mariampol 21. Dez. 1802) heiratet.  Am 26. Okt. 1772 erwerben Christoph und Dorothea das 1.380 Morgen große kölmische Gut Brakau b. Marienwerder, welches Dorothea zehn Jahre nach dem Tode ihres Mannes verkauft.  Von den 7 Söhnen dieses Ehepaares ist besonders Daniel Theodor von Wilamowitz (~ [calvin.] Danzig 12. Mai 1768, + Strigleben i. d. Prignitz 23. Dez. 1837) hervorzuheben, der am 3. September 1794 als preußischer Secondelieutenant im Grenadier-Regiment v. Bonin - für seine in der Attacke vor Warschau bewiesene „vorzügliche Bravour“ - mit dem Orden Pour-le-Mérite dekoriert wird.  Er ehelicht 1795 in der Festung Graudenz Ernestine von Bonin (* Berlin 24. Sept. 1775, + Berlin 28. März 1814).

Friedrich Wilhelm von Bonin (* 1782, gefallen 1813), Bruder der vorgenannten Ernestine, wird 1801 von dem preußischen Generalfeldmarschall Wichard von Moellendorff, Fideikommißherr auf Gadow in der Prignitz, adoptiert.  Nach dem Soldatentod des Bonin adoptiert der kinderlose Generalfeldmarschall 1813 die drei Söhne des Daniel Theodor und der Ernestine von Wilamowitz, nämlich Hugo (* Marienburg 29. Dez. 1806, + Berlin 14. Juni 1865), welcher - wie seine beiden Brüder - lt. Allerhöchster Kabinettsorder vom 21. Januar 1815 den Namen „v. Wilamowitz-Moellendorff“ erhält und der als Besitzer des Majorats Cumlosen (Gadow) am 10. Januar 1857 in den preußischen Grafenstand erhoben wird, sowie Ottokar (* Graudenz 1811, + 1867), Herr auf Meesendorf und Polnisch-Baudiß in Schlesien, und Arnold (* Beerheide i. d. Prignitz 28. Juni 1813, + Wiesbaden 2. Jan. 1888), Besitzer der beiden Herrschaften Markowitz und Kobelnik, Provinz Posen, welche am 27. April 1864 in den preußischen Freiherrnstand erhoben werden (jeweils vererblich nach dem Rechte der Erstgeburt und unter der Bedingung der Nachfolge in den ungeteilten väterlichen Grundbesitz).

Bedeutend ist der Freiherr Hugo von Wilamowitz-Moellendorff (* Markowitz 18. Juni 1840, + Kobelnik 30. Aug. 1905, in 1. Ehe vermählt mit der früh verstorbenen Josephine von Roy a.d.H. Wierzbiczany, in 2. Ehe mit Lili von Schenck a.d.H. Kawęczyn), Besitzer der Herrschaften Markowitz und Kobelnik, welcher sich als Oberpräsident der Provinz Posen ständig für eine gerechtere Behandlung der polnischen Bevölkerung einsetzt.  Ebenfalls herausragend ist Hugos jüngerer Bruder Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (* Markowitz 22. Dez. 1848, + Berlin 25. Sept. 1931, vermählt mit Marie Mommsen, der Tochter des bedeutenden Altertumsforschers Theodor Mommsen), welcher sich als Professor für klassische Philologie und als Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften einen Namen gemacht hat.

Hugos Sohn Friedrich Wilhelm von Wilamowitz-Moellendorff (* Inowrocław 5. Dez. 1872, + Kobelnik 23. März 1944), Besitzer der Herrschaft Kobelnik (die Herrschaft Markowitz erbte seine ältere Schwester Hildegard), wird - da er wegen der Teilung des beträchtlichen väterlichen Grundbesitzes den Freiherrntitel verlor - lt. Allerhöchster Kabinettsorder vom 27. Mai 1907 der preußische Freiherrnstand zuerkannt.

Das Stammwappen „Ogończyk“ zeigt in Rot einen halben nach unten offenen silbernen Ring, aus dem eine silberne Pfeilspitze emporwächst (vom preußischen Heroldsamt irrigerweise als Halbmond angesehen, auf dem ein befiederter Pfeil steht).  Die Grafen, Freiherren und Herren v. Wilamowitz führen auf dem Helm mit rot-silbernen Decken - ausnahmsweise - einen wachsenden goldenen (auch: silbernen) Löwen (in ihrer litauischen Heimat führten sie als Helmzier drei farblich nicht überlieferte Straußenfedern).

Vgl. Joachim v. Roy, Ursprung und Wappen der Grafen, Freiherren und Herren v. Wilamowitz-Moellendorff, in: Genealogie, 45. Jg., Neustadt a.d. Aisch 1996, S. 357-362.«

Joachim von Roy, 9. 9. 2012

#

»Wilamowitz-Möllendorff.  Evang. - Brandenburg und Preuß.-Schlesien. - Wohnsitz: Gadow in der Priegnitz. - Der am 28. Januar 1816 + k. preuß. General-Feldmarschall Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff adoptirte 1813 die drei Söhne des k. preuß. Majors a. D. Theodor von Wilamowitz (+ 23. Dec. 1837) auf Strigleben, nämlich: Hugo, Ottocar und Arnold, welche unterm 4. Mai 1815 vom König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Erlaubniß erhielten, sich „Wilamowitz von Möllendorff“ zu nennen und das angestammte Wappen mit dem möllendorff’schen vereinigt zu führen.  Der kön. preuß. Kammerherr Hugo von Wilamowitz-Möllendorff wurde am 10. Januar 1857 nach dem Rechte der Erstgeburt in den k. preuß. Grafenstand erhoben.  Die gräfliche Würde ist mir dem Besitz folgender Majoratsgüter verbunden: 1) der in der Provinz Brandenburg, Kr. West-Priegnitz, belegenen Herrschaft Gadow, „Ländchen Cumlosen“ genannt (0,48 QM. mit 2240 Einw. in 17 Ortsch.); 2) der in Preuß.-Schlesien, Kr. Militsch-Trachenberg, belegenen, am 22. Mai 1660 zur minderfreien Standesherrschaft erhobenen Herrschaft Freyhan (1 QM. mit 2302 Einw. in 9 Ortschaften). - W.: quadrirt und mit einem blauen Mittelschild, worin ein dreiarmiger goldener Leuchter erscheint (Möllendorff), 1 und 4 in Roth ein halber silberner Ring, über dessen Bogen ein mit der Spitze nach oben gekehrter silberner Pfeil schwebt (Stammwappen: Ogonczyk); 2 und 3 in Silber ein schwarzer Pferdekopf mit flatternden Mähnen, im zweiten Felde rechts, im dritten links gewendet (Wilamowitz).  Grafenkrone und drei gekrönte Helme.  Der erste mit rothsilbernen Decken trägt einen einwärts gekehrten, wachsenden silbernen Löwen mit ausgeschlagener rother Zunge; aus dem zweiten Helm mit blaugoldenen Decken gehen nach oben zwei silbern geharnischte Arme hervor, deren verschlungene Hände eine Mühlenwelle von natürlicher Farbe halten; und auf dem dritten Helm mit schwarzsilbernen Decken erscheint ein rechts gewendeter schwarzer Pferdekopf mit flatternden Mähnen.  Schildhalter: zwei auswärts sehende silberne Löwen mit ausgeschlagener rother Zunge, welche auf einem geschlängelten blauen Bande mit der Devise „Semper idem“ stehen.«  (S. 948, Gotha. genealog. Taschenbuch der gräflichen Häuser, 32. Jg. 1859)


zurück