von List


New Wapenbuch 1605

Seite 53, Nr. 8

Genealogische Adels-Historie (Ahnentafeln)

3. Teil, Seiten 135, 169, 566, 745, 882, 1171, 1174, 1217

Genealogisches Taschenbuch der Ritter- u. Adels-Geschlechter

VI-XIV

Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser

1905-1939

Genealogisches Handbuch des Adels

Bände 97, 132

Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer

VII, 68, 69, 138-141, 155-158


»Das sächsisch-lausitzische Uradelsgeschlecht erscheint urkundlich zuerst am 20. Juli 1216 mit dem „nobilis Sifridus List“, Vasall des Markgrafen Dietrich von Meißen.  Dieser Siegfried List begegnet uns auch am 26. Februar 1233 als Ritter (miles) und als Herr auf Benn(en)dorf (nordostwärts von Altenburg).  Der Familienname weist auf eine Eigenschaft des Trägers hin, steht doch „list“ im Mittelhochdeutschen für klug bzw. weise.

Im Jahr 1210 wird der Markgraf Dietrich von Meißen mit der Markgrafschaft Niederlausitz belehnt.  Gemeinsam mit ihrem Lehnsherrn stoßen auch die Herren v. List in die Niederlausitz vor.  Wann dies der Fall war, ist nicht überliefert.  Urkundlich ist jedoch, daß „Wernherus dictus List“ ein Lehen in Schollen bei Luckau sein eigen nennt, das er vor Ostern 1299 dem Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Dobrilugk verkauft.

Der um 1440 geborene Christoph von List, welcher die urkundlich gesicherte Stammreihe der Familie begründet, wird 1492 als Besitzer von Kahsel, Komptendorf und Drieschnitz genannt. - Der 30jährige Krieg vernichtet den List'schen Grundbesitz.  In ganz Kahsel leben am Ende des Krieges nur noch 11 Personen.  Auch Komptendorf hat unter schweren Kriegsschäden zu leiden.  So erklärt es sich, daß die Herren v. List zu Michaelis 1647 genötigt sind, ihr völlig verödetes Gut Wüstenhain aufzugeben, da sie die fälligen Kontributionen nicht bezahlen können. - Im Jahr 1748 wird Drieschnitz an den sächsischen Kammerjunker Maximilian v. Oertzen verkauft.  Auch Komptendorf kann nicht gehalten werden.  Es wird 1769 im Rahmen eines Konkursverfahrens von dem nachmaligen Generalmajor Hans Ernst v. Zabeltitz ersteigert.

Besonders der Verlust von Komptendorf wiegt schwer, befindet sich doch in der dortigen Pfarrkirche, einem Feldsteinbau aus dem 15. Jahrhundert, die Grablege der Herren v. List.  Noch heute ist dort der 1,70 Meter hohe Grabstein eines Ladislaus von List, Erbherrn auf Komptendorf, zu sehen, der den Verstorbenen in einer schweren Plattenrüstung zeigt. - Das Rittergut Kahsel hingegen, das 1929 insgesamt 330 Hektar einschließlich großem Waldbesitz aufweist, kann die Familie v. List bis 1945 halten.  Letzter Herr auf Kahsel ist der Ehrenritter des Johanniter-Ordens Dr. jur. Arndt von List (* Kahsel 3. April 1874, + Forchheim 18. April 1953), der mit seiner Gemahlin Erika von Treskow (* Ettlingen 2. Okt. 1892, + Gräfelfing 27. Sept. 1975) nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und vertrieben wird.

Im Jahr 1883 wandert der Königlich preußische Secondelieutenant a.D. Paul von List (* Schneidemühl 27. März 1857, + Chicago Okt. 1932) mit seinem jüngeren Bruder Maximilian von List in die Vereinigten Staaten von Amerika aus.  Paul hinterläßt einen Sohn Paul von List (* Chicago 20. Juli 1892, + Chicago 6. März 1928), dessen Frau Ada Colbath (* 1902, + 1960) - nach dem Tod ihres Ehemannes - in zweiter Ehe einen gewissen James Gunn (* 1892, + 1978) heiratet.  Dieser adoptiert das Kind des vorgenannten Paul und dessen Frau Ada namens Paul von List (* Elgin b. Chicago 4. Nov. 1924, + Inverness, Florida, 10. Jan. 1996) und überträgt seinen Familiennamen „Gunn“ auf seinen Adoptivsohn.  Zwar führen die heute in den Vereinigten Staaten lebenden Nachkommen des 1996 verstorbenen Paul v. List den Namen Gunn fort, doch handelt es sich bei diesen um „echte“ Angehörige des Uradelsgeschlechts v. List.

In Deutschland werden der Name und das Wappen der Herren v. List von einem der Söhne des Majors a.D. und Rechtsritters des Johanniter-Ordens Horand  Henatsch (* 1925, + 2006), des letzten Herrn auf Rittergut Stuthof, Westpr., und seiner Gemahlin Waldtraut von List fortgeführt.

Der von Silber und Blau gespaltene Wappenschild des Geschlechts weist vorn einen blauen und hinten einen silbernen Pfahl auf, das Ganze belegt mit einem roten Balken; auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein jeweils mit dem Schild belegter offener roter Flug. - Das älteste Siegel des Geschlechts datiert vom 2. April 1294.  Als Vasallen der Markgrafen von Meißen aus dem Hause Wettin führen die v. List - in veränderten Farben - das Stammwappen der Wettiner, die sogenannten „Landsberger Pfähle“ (vgl. auch die Wappen der Herren Vitzthum v. Eckstaedt, v. Lützendorf, v. Pack, v. Taubenheim und v. Zabeltitz sowie die Wappen der Städte Landsberg, Zörbig, Delitzsch, Bad Düben, Leipzig, Chemnitz und auch Dresden).

Vgl. Joachim v. Roy, Die Herren v. List und das Rittergut Kahsel b. Cottbus, Niederlausitz, in: Deutsches Adelsblatt, 42. Jg., Melle 2003, Titelbl. und S. 286.«

Joachim von Roy, 14. 9. 2012

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»List.  Evangelisch und katholisch. - Niederlausitzischer Uradel, der mit Werner von List, als Besitzer des Vorwerks von Schollene (bei Luckau), am Ostertag 1299 1) urkundlich zuerst erscheint. - W.: Im fünfmal von Silber und Blau gespaltenen Schilde ein roter Balken.  Auf dem Helme mit blau-silbernen Decken ein wie der Schild bezeichneter Flug.

1) Ob das Geschlecht mit dem gleichnamigen, 18. Mai 1276 mit Sifridus und Cunradus List erscheinenden thüringischen stammesverwandt ist, erscheint fraglich.«  (S. 447, Gotha. Genealog. Taschenbuch der Adeligen Häuser, 6. Jg. 1905)


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